Grundlagen des Warnke®-Verfahrens
Die nachfolgenden Prüfschritte stellen wesentliche Grundlagen des Warnke-Verfahrens dar. Als Fußnoten zu dieser Auflistung finden Sie die wissenschaftlichen Grundlagen zu den einzelnen Prüfschritten.
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1. Visuelle Ordnungsschwelle [1]:
Die Fähigkeit, zwei visuelle Sinnesreize getrennt wahrzunehmen und in eine zeitliche Ordnung, also in eine Reihenfolge zu bringen. Wichtig für die Zeitauflösung fortlaufender Seheindrücke zum Beispiel beim Lesen.
2. Auditive Ordnungsschwelle [2]:
Die Fähigkeit, zwei akustische Sinnesreize getrennt wahrzunehmen und in eine zeitliche Ordnung, also eine Reihenfolge zu bringen. Wichtig für die Zeitauflösung fortlaufender Höreindrücke beim Hören.
3. Richtungshören [3]:
Die Fähigkeit, akustische Signale rasch und treffsicher zu lokalisieren. Wichtig für das stetige Erfassen der Lehrerstimme trotz der störenden Klassengeräusche
4. Tonhöhenunterscheidung [4]:
Die Fähigkeit, zwei in ihrer Tonhöhe / Frequenz abweichende akustische Signale als solche wahrzunehmen und die Position des tieferen Tons bestimmen zu können. Wichtig für das Erkennen von Vokalen und Sprechmelodie.
5. Synchrones Finger-Tapping [5]:
Die Fähigkeit, möglichst synchron zu einem regelmäßigen akustischen Links-Rechts-Takt entsprechende Tasten zu betätigen und so parallel zur Vorgabe die motorische Umsetzung zu vollziehen. Wichtig für die Koordination zwischen den Hirnhälften.
6. Wahl-Reaktionszeit [6]:
Die Fähigkeit, aus je einem links und rechts dargebotenen unterschiedlichen Ton den jeweils tieferen zu bestimmen und ganz rasch dazu die entsprechende Taste zu betätigen. Wichtig für die rasche Entscheidung zwischen Hör-Alternativen.
7. Mustererkennung [7]:
Die Fähigkeit, den abweichenden aus einer Folge von mindestens drei Tönen herauszuhören und lokalisieren zu können. Wichtig für das differenzierte Erfassen strukturierter Höreindrücke wie z. B. Sprache.
8. Auge-Hand-Koordination [8]:
Die Fähigkeit, Bewegung der Hand durch die Sichtkontrolle präzise zu steuern und nachzuregeln. Wichtig für das flüssige und visuell kontrollierte Schreiben.
9. Lesen sinnfreier Texte [9]:
Die Fähigkeit, auch sinnfreie Texte rasch und sicher vorlesen zu können. Wichtig für den Nachweis der Automatisierung der Buchstabe-Laut-Umsetzung als Voraussetzung für gute Rechtschreibung.
10. Kurzzeit-Merkfähigkeit [10]:
Die Fähigkeit, eine altersgerechte Anzahl von sinnfreien Einsilbern rasch und sicher wiederzugeben. Wichtig für das Erlesen längerer Worte und für die Sinnentnahme.
11. Wahrnehmungstrennschärfe [11]:
Die Fähigkeit, kritische Laute einer Sprache hinreichend schnell und treffsicher unterscheiden zu können. Wichtig für das rasche und anstrengungsfreie Verstehen und für die Automatisierung der Buchstabe-Laut-Umsetzung.
12. Blicktüchtigkeit [12]:
Die Fähigkeit, die Augen beim Lesen rasch und treffsicher von einer Buchstabengruppe zur nächsten springen zu lassen. Wichtig für das zügige und treffsichere Verfolgen zu lesender Worte und Zeilen.
13. Winkelfehlsichtigkeit [13]:
Die Fähigkeit, mit beiden Augen das gewünschte Sichtobjekt so genau anzuvisieren, dass in der Fovea beider Augen identische Abbildungen entstehen. Wichtig für das räumliche Sehen unter Benutzung beider Augen
14. Visuelle Buchstabiertechnik [14]:
Die Fähigkeit, einen sicheren inneren bildlichen Speicher der Feinstruktur der richtigen Schreibweise eines Wortes regelmäßig anzulegen. Wichtig für das Rechtschreiben der 60% nicht lautgleich geschriebenen Wörter.
[1] Pöppel-E „Grenzen des Bewusstseins”, Insel-Verlag (1997) ISBN 3458168 788, S. 9-42
[2] Veit-SE „Sprachentwicklung, Sprachauffälligkeit und Zeitverarbeitung - eine Longitudinalstudie”, Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München (1995)
[3] Blauert-J „Spatial Hearing - The Psychophysics of Human Sound Localization“, MIT-Press,
Cambridge (1997), BLATH 0-262-02413-6
[4] Holopainen-IE; Korpilahti-P; Juottonen-K; Lang-H; Sillanpaa-M „Attenuated auditory event-related potential (mismatch negativity) in children with developmental dysphasia“, Neuropediatrics, (1997) Oct; 28(5): 253-256
[5] Wolff-PH, „Impaired motor timing control in specific reading redardation”, Neuropsychologia; 22 (5) 587-600 (1984)
[6] Nicolson-RI „Reaction Times and Dyslexia“, Quarterly Journal of Experimental Psychology A, 47(1), (1994 Feb), S. 29-48
[7] Musiek-F „Auditory Perception Problems in Children“, Lyrangoscope 90 (1980), S. 962-971
[8] Kiphard-EJ „Motopädagogik“ aus der Reihe „Psychomotorische Entwicklungsförderung“, 18. verbesserte und erweiterte Auflage (1998), 288 Seiten, ISBN 3-8080-0410-X
[9] Zahnd-DW: „Kognitive Strategien und Leseleistung“, Inauguraldissertation Universität Bern (2000) Libri Verlag Bern
[10] Mottier-G „Akustische Differenzierungs- und Merkfähigkeitsüberprüfung“, in: Die psychologische Untersuchung zur Erfassung des Legasthenikers, Zürcher Lesetest, Huber, Bern (1974)
[11] Tallal-P „Defects of non-verbal auditory perception in children with developmental aphasia”, NATURE 241 (1973), S. 468-469
[12] Biscaldi-M, Fischer-B „Saccadic Eye Movements of Dyslexic Children in Non-Cognitive Tasks“ in „Facetts of Dyslexia and its Remediation“ (1993), Elsevier Science Publishers B.V.
[13] Pestalozzi-D „Über die Behandlung von heterophoren Legasthenikern mit Fixationsdisparation mittels Prismenvollkorrektion“, Klinisches Mitteilungsblatt für Augenheilkunde, 188 (1988), S. 471-473
[14] Schick-KH, „NLP & Rechtschreibtherapie“, Junfermann-Paderborn, (1995), ISBN 3-87387-163-7
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